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***​Fichu ist der französische Begriff für ein dreieckiges oder quadratisches, diagonal zu einem Dreieck gefalteten Tuch, das Hals und Dekolleté von Frauen bedeckt.

Berlin – Biel. Ein Erbe mit Geschichte.

Im Herbst 2018 war ich als Kostümbildnerin für eine Produktion am Stadttheater Bern auf der Suche nach besonderen Stoffen. Ich suchte Materialien, die ich in der Schweiz so nicht fand. Bei einer Freundin in Berlin fiel mir ein Buch in die Hände, das ausgewählte Stoffläden und textile Fundorte der Stadt porträtiert. Es führte mich in die Akazienstraße 21, nach Schöneberg – zum Tuchgeschäft FICHU von Oleg Ilyapour.

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Die Tür war verschlossen, doch eine Telefonnummer am Eingang führte direkt zu Oleg. Er meldete sich sofort und öffnete persönlich. Was ich in seinem Laden vorfand, war aussergewöhnlich: textile Kostbarkeiten aus aller Welt, dicht an dicht gelagert, bis unter die Decke. Naturfasern in einer Qualität, wie sie heute kaum mehr erhältlich ist – Baumwolle, Seide, Wolle, Leinen und Spitze. Alles Originale aus den Jahren 1920 bis 1980, einzigartig und andernorts nicht mehr so zu finden.

Oleg war eine prägende Figur im Quartier. Sein Laden bestand seit 1929, gegründet von seiner Mutter und über Jahrzehnte von ihm weitergeführt. Wer ihm und seiner Sammlung mit Respekt begegnete, wurde mit einer unvergleichlichen Auswahl belohnt – wer nicht, wurde konsequent wieder hinausgebeten.

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Ich verbrachte drei Tage in seinem Laden. Wir sprachen über Stoffe, über Herkunft und Verarbeitung, aber auch über das Leben. Dann stellte er mir unvermittelt eine Frage, die mich überraschte: ob ich mir vorstellen könne, seinen Laden eines Tages zu übernehmen.

Zurück in der Schweiz blieb ich über Telefon und Briefe mit ihm in Kontakt – über drei Jahre hinweg. Dann erhielt ich die Nachricht seines Neffen: Oleg war verstorben. Es sei sein ausdrücklicher Wunsch gewesen, dass ich seine Sammlung übernehme und FICHU weiterführe. Damit wurde mir eine besondere und spannende Aufgabe anvertraut – und eine grosse Verantwortung.

Gemeinsam mit Familie und Freunden organisierte ich den Transport der gesamten Sammlung, mehrere Tonnen Stoff, in die Schweiz: zunächst nach Muttenz, später nach Biel/Bienne. Dort öffnet FICHU seither jeden Samstag seine Türen – und jetzt auch online.

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Presse Artikel

Bei Fichu stapeln sich Textilien aus den 30er-Jahren. Denn, so glaubt Ladenbesitzer Oleg Ilyapour, nur alte Stoffe können den Menschen wirklich schmeicheln.

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taz. die tageszeitung vom 27. Juli 2001

In seinem Laden „Fichú“ gibt es, was vor allem Film- und Theaterausstatter in ganz Europa suchen, aber so geballt wie hier nirgendwo finden: Originalstoffe wohl aller Epochen und Modewellen des ausgehenden 19. und des 20. Jahrhunderts – ausgenommen Chemiefasern.

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Deutschlandfunk Kultur vom 27.Juni 2006

Der Wächter der Stoffe

Er verachtet Turnschuhträger und Menschen, die Klamotten sagen, wenn sie Kleidung meinen. In Berlin herrscht Oleg Ilyapour über ein kleines Reich aus seltenen, wunderbaren Stoffen voller Geschichten

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KathrinSchrader.de vom 26.September 2007

Fichu ist ein auf Vintage-Stoffe spezialisierter Shop, mit Meterware aus den Zwanziger- bis Sechzigerjahren. Seit über 85 Jahren geöffnet, ist der Laden nicht nur der letzte seiner Art in Berlin, sondern fast in ganz Europa.

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Cee Cee Creative ~ 2007

Feinste Zwirne stapeln sich in dem schmalen Lädchen Fichu in der Berliner Akazienstrasse bis unter die Decke.

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Der fremde Faden vom 30. November 2017

Der winzige Laden ist mit rund 6.000 runden und flachen Stoffballen bis unter die Decke vollgestapelt. Da Olegs IIyapours Mutter, die nicht mit den damals modernen Chemiefasern handeln wollte, 1971 zum letzten Mal neue Ware eingekauft hatte, sind die neusten sich im Laden befindenden Stoffe über 40 Jahre alt.

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NBIK 2018

Meist saß er auf den Treppenstufen seines Schöneberger Ladens, ein Mann in weiter, oft weißer Kleidung und mit einem voluminösen Bart, der die Hälfte seines Gesichtes verbarg. Neben sich hatte er ein verziertes Teeglas, an der offenen Ladentür schwang vielleicht ein türkisfarbenes ärmelloses Frotteekleid mit Pop-Art-Blumenmuster. Oleg Ilyapour, der Besitzer des Stoffladen Fichu, hatte Zeit, er strahlte Gelassenheit aus. Sah man ihn sitzen, war es, als wehte ein warmer Wüstenwind durch die Akazienstraße.

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Berliner-Zeitung vom 7. Mai 2021

on Elfie Hartmann. „Oleg ist tot. Er ist am 6.5.21 an einer Sepsis gestorben. Vorher haben sich drei Freunde um ihn gekümmert, soweit Oleg es zugelassen hat. Er war nicht krankenversichert und hat sein Leben stolz, wild, sinnlich, zart, nachdenkend und wissend, frei und so gelebt und beendet, wie er war - eben: OLEG.“ Dem sind drei kleine gemalte Herzchen hinzugefügt.

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Stadtteilzeitung Schöneberg vom 1.Juli 2021

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